Sabine Heine / architectural illustrations
Sabine Heine hat nach ihrem Architekturstudium neun Jahre lang als Architektin bei Auer+Weber in Stuttgart gearbeitet. Aus beruflicher Neugierde zog es sie in die Niederlande, wo sie 2004 zu Claus en Kaan, später zu hvdn wechselte. Drei Jahre später hat sie aus ihrer Passion, dem Zeichnen, ihren Beruf gemacht. Seither ist sie als Architekturillustratorin tätig und illustriert Projekte für Architekten in NL, UK, D und CH. Ebenso hat sie sich auch auf großmaßstäbliche Illustrationen als Kunst am Bau spezialisiert. 
Sabine war Dozentin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im Fach Architekturdarstellung und ist heute Seminarleiterin für Architekturillustration an den Fortbildungsinstituten der Architektenkammern BW, BY und NRW.  2016 erschien im Tyrolia-Verlag Innsbruck/Wien das von ihr illustrierte Buch "Das Gute daran" von Anne Rickert, ein Kinderbuch mit kleinem architektonischem Intermezzo, das Ende 2017 auch in China erscheinen wird. Sabine lebt in Rotterdam/NL.
Rodenrijselaan 18a
NL - 3037XE Rotterdam
sh@sabineheine.com


***
The beauty of hand drawing is that its accuracy can be used and adjusted accordingly. If you want to point something out or highlight it, line and detail are refined, more precise. On the other hand, inaccuracy also has its appeal for things which are often still unknown or should not yet be mentioned. One can quickly insert a fleeting line into a sketch in order to patch up a lack of information. My clients welcome this effect because it shows everything but confirms nothing. The viewer can observe a spatial and architectural situation and can perceive a certain mood. Incidentally, hand drawings also subliminally suggest that changes and participative opportunities are still possible. These specific strategic components, as well as the psychological and even legal aspects of an illustration are of great interest to me. Of course, creating an atmosphere or even adding a little scenic charm to the picture makes my work even more delightful. The current dominance of photorealistic architectural rendering enables me to find new ways of pursuing hand-drawn, architectural pictures. I do not require technical perfection or realistic diligence in my work, but instead I focus on conceptual statements, atmosphere and even poetry. For me, hand drawing has its very own place in our professional practice, not as a competitor to photorealistic rendering, but rather as a complement to it. My illustrations are often requested for larger urban projects in which the designs of different planners are combined and therefore the overall picture is presented with a homogeneous style. In my drawings, buildings often have façades or other details that still need to be created, designed and, of course, adjusted. Some details just naturally fade out behind trees. Often an illustration is required shortly before a deadline and no one in the design team has any time to make decisions about specific details. At best, there are the contender's reference pictures but other than that, my own  experience as an architect and  study of architectural literature is put into practice. This is what makes architectural illustration so exciting. Over and over again, a white surface waits to be filled...
Sabine Heine for the Construction and Design Manual / Drawing for Landscape architects, Prof. Dr. Sabrina Wilk, DOM-publishers, 2016

Das Schöne an der Handzeichnung ist es, dass die Genauigkeit kontrolliert eingesetzt werden kann: Soll etwas bewusst präzise dargestellt oder gezielt beleuchtet werden, verfeinern sich an dieser Stelle Strich und Detailgenauigkeit. Und umgekehrt hat gerade auch die Ungenauigkeit ihren Reiz: oft sind ja Dinge noch gar nicht bekannt oder sollen noch nicht zur Diskussion gestellt werden. In der Handskizze ist es möglich, mit einem stellenweise flüchtigereren Strich einen Mangel an Information selbstverständlich und unbemerkt einzufügen.
Das ergibt den bei meinen Auftraggebern willkommenen Effekt, dass zwar alles gezeigt, aber nichts festgelegt ist. Der Betrachter erkennt eine räumliche und architektonische Situation und eine bestimmte Stimmung. Nebenbei wird ihm aber unterschwellig suggeriert, dass es noch Änderungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten gibt. Genau diese strategische Komponente, die psychologischen oder sogar rechtlichen Aspekte an einer Illustration interessieren mich. Eine Atmosphäre zu kreieren und dem Bild vielleicht noch eine kleine Geschichte hinzuzufügen macht die Arbeit natürlich besonders reizvoll.
Gerade die Dominanz der photorealistischen Architekturdarstellung gibt mir die Möglichkeit, neue Wege in der handgefertigten Architekturzeichnung einzuschlagen. Ich benötige keine technische Perfektion oder naturgetreue Fleißarbeit, sondern konzentriere mich auf die Essenz: konzeptionelle Aussagen, Atmosphäre und auch ein bisschen Poesie. Für mich hat die Handzeichnung ihren einen eigenen Platz in unserer Berufspraxis, nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung zum Rendering.
Oft werden meine Illustrationen für größere städtebauliche Projekte angefragt, in denen die Entwürfe verschiedener Planer zusammenfließen und das Gesamtbild in einem einheitlichen Duktus präsentiert werden soll. Meistens müssen Fassaden oder andere Details noch im Zeichenprozess erfunden werden und sich selbstverständlich einpassen, manche verschwinden dabei natürlich auch hinter Bäumen. Die Illustration entstehen ja meistens kurz vor einem Abgabentermin und oftmals hat niemand im Entwurfsteam in diesem Moment noch  Zeit, über alle Details eine Aussage zu treffen. Im besten Fall liegen von den Entwerfern Referenzbilder vor, ansonsten kommt mir in diesem Moment meine eigene  Erfahrung als Architektin und das  Studieren von Fachliteratur zupass. Das macht die Architekturillustration so spannend. Immer wieder muss noch eine weiße Fläche gefüllt werden...
Sabine Heine im Construction and Design Manual / Drawing for Landscape architects, Prof. Dr. Sabrina Wilk, DOM-publishers, 2016
back to top